|
Was
ist mein Unternehmen wert?
Welchen Preis hat ein Unternehmen, das über viele
Jahre,
häufig mit größtem körperlichen Einsatz und psychischer
Belastung, aufgebaut wurde? Sie finden in diesem Artikel
die Grundlagen und die Durchführung einer Unternehmens-
bewertung erläutert.
|
Folgende
Unterlagen und Informationen werden zur
Unternehmensbewertung u. a. benötigt:
Jahresabschlüsse der letzten drei
bis fünf Jahre
zeitnaher Status des laufenden Geschäftsjahres
mit kurzfristiger Erfolgsrechnung
letzte steuerliche Vermögensaufstellung
Gutachten über Betriebseinrichtung
sowie
betriebliche Grundstücke und Gebäude
statistische Daten über die Konjunktur-
und Branchenentwicklung
Arbeits- und Tarifverträge
Miet-, Pacht-, Leasingverträge
Rechtsform des Unternehmens
Gesellschaftsverträge
Alter und Ausbildung des Inhabers
seine Ehrenämter und Mitgliedschaften
in
Verbänden, Vereinen, politischen, kirchlichen
und sozialen Organisationen
geschichtliche Entwicklung des Unternehmens
Produktions- und Verkaufsprogramm
Auftragsstruktur
Zahl der Mitarbeiter, deren Ausbildung
und
Teilnahme an Weiterbildungsmaßnamen
Konkurrenzsituation
Lagepläne der Grundstücke
und planungs-
rechtliche Entwicklungsaussichten.
Ein Unternehmenswert kann nur ermittelt werden, wenn sicher-
gestellt ist, daß für das zu bewertende Unternehmen ein Markt
-Anbieter und Nachfrager - vorhanden ist. |
|
1. Erläuterung der Wertbegriffe
Die Betriebswirtschaftslehre sieht ein Unternehmen als planmäßige
Kombination der Produktionsfakoren Arbeitsleistungen, Betriebsmittel
und Werkstoffe an. Das wirtschaftliche Ziel dieser Verbindung ist die
Gewinnerzielung. Der Gewinn ist zugleich auch der Maßstab für
den Wert
des Unternehmens. Die Aufgabe des Gewinns ist auch in anderen wirt-
schaftlichen Bereichen bekannt. Der Käufer von Wertpapieren z. B.
wird
die Kosten des Kaufes einer Wertanlage und ihre Rendite-Zinsen- bei
seiner Entscheidung vergleichen.
Daher ist die Unternehmensbewertung in der Betriebswirtschaftslehre
der Spezialfall einer Investition und wird mit Hilfe von Wirtschaftlich-
keitsberechnungen gelöst. Die Sprache der Unternehmensbewertung
bezeichnet die zukünftig zu erwartenden Gewinne, abgezinst auf den
Bewertungsstichtag, als Ertragswert.
Ein weiterer wichtiger Wert ist die vorhandene schuldenfreie Substanz.
Dies sind die dem Unternehmen gehörenden Vermögenswerte, die
das
in das Unternehmen investierte Kapital darstellen. Diese Werte sind nicht
einfach aus der Bilanz abzulesen. Durch gesetzliche Vorschriften des
Handels- und Steuerrechts liegen die Bilanzwerte vieler Vermögens-
gegenstände unter den tatsächlich erzielbaren Marktpreisen.
Die Differenz
(Zeitwert./. Buchwert) wird als stille Reserve bezeichnet, die der Verkäufer
mit dem Kaufpreis abgegolten haben will. Der Zeitwert der vorhandenen
Vermögensgegenstände ist der Substanzwert. Der Firmenwert oder
good
will verbindet Ertragswert und Substanzwert miteinander. Er setzt sich
aus
Faktoren zusammen, die bei der Einzelbewertung der Vermögensgegen-
stände unberücksichtigt bleiben, wie Kundenstamm, guter Name,
Marktstellung u.s.w. Der Liquidationswert spielt bei chronisch unrentablen
Unternehmen eine Rolle. Die vorhandenen Unternehmensgegenstände
werden dabei unter der Bedingung bewertet, daß das Unternehmen
geschlossen wird. Dies ist der Unterschied zum Substanzwert, der den
Fortbestand des Unternehmens unterstellt.
Dabei werden in der Regel Abschläge von den unter normalen Umständen
zu erzielenden Marktpreisen gemacht. Dieses Verfahren findet auch bei
sogenannten "Räumungsverkäufen" bei der Geschäftsaufgabe
statt. Daher
ist der Liquidationswert der niedrigste denkbare Unternehmenswert.
1.1 Substanzwert
Der Substanzwert stellt den Gegenwartswert des betriebsnotwendigen
Anlage- und Umlaufvermögens eines Unternehmens dar. In ihm werden
die Kosten ausgedrückt, die aufgewendet werden müßten,
um ein Unter-
nehmen mit gleicher technischer Leistungsfähigkeit und Kapazität,
wie
es das bewerte aufweist, zu errichten. Bei der Ermittlung der Einzelwerte
wird unterstellt, daß das Unternehmen fortgeführt wird.
Zum notwendigen Betriebsvermögen gehören alle Wirtschaftsgüter,
die
betriebsfähig sind und noch im Produktionsprozeß eingesetzt
werden.
Dazu zählen auch immaterielle Werte wie Patente, wenn aus ihnen
Nutzen gezogen wird.
Ein metallverarbeitender Betrieb verfügt beispielsweise über
vier Dreh-
bänke, wovon eine jedoch aus irgendwelchen Gründen nicht mehr
einge-
setzt wird. Diese Drehbank gehört nicht zum betriebsnotwendigen Ver-
mögen, daher ist sie bei der Ermittlung des Substanzwertes nicht
zu
erfassen. Der Substanzwert wird auch als Reproduktionswert bezeichnet.
Bei der Unternehmensbewertung wird er nur noch als Hilfswert ermittelt.
Trotzdem kann auf seine Ermittlung nicht verzichtet werden, da er das
technische Niveau und die altersmäßige Zusammensetzung der
Betriebs-
einrichtung ausdrückt. Dies ist ein wesentliches Merkmal für
die Wettbe-
werbsfähigkeit des Unternehmens in den nächsten Jahren. Auch
gibt er die
Investitionssumme an, die aufgewendet werden muß, um den erwarteten
Zukunftserfolg zu erzielen. Weiterhin ist er die Grundlage für die
Ermittlung
der kalkulatorischen Abschreibungen.
1.2 Ertragswert
Der Ertragswert ist die Summe der auf die Gegenwart abgezinsten Erfolge,
die ein Unternehmen zukünftig noch erwirtschaften kann. Er drückt
also die
zukünftige nachhaltige Ertragskraft des Unternehmens aus.
Die Faustformel lautet:
Nachhaltig erzielbarer Zukunftserfolg (E) x Kapitalisierungsfaktor
(p)
+ Barwert des Liquidationserlöses (L) = Ertragwert (u)
Der nachhaltig erzielbare Zukunftserfolg wird aus den bereinigten Ver-
gangenheitsergebnissen und einer Zukunftsprognose abgeleitet.
Bei unbeschränkter Lebensdauer des Unternehmens ist der Abzinsungs-
faktor = 1/p (p = Kalkulationszinsfuß) und der Liquidationserlös
= 0.
Der Kalkulationszinsfuß (p) drückt die erwartete Rendite anderer
Kapital-
anlagen oder den Mindestverzinsungsanspruch von Verkäufer und Käufer
aus.
1.3 Firmenwert oder Good Will
Der Firmenwert, good will oder ideelle Geschäftswert verkörpert
den
Mehrwert über den Substanzwert. Er ist die positive Differenz zwischen
Substanzwert und Ertragswert. Betriebswirtschaftlich setzt er sich aus
mehreren Faktoren zusammen, die den Zustand des Unternehmens im
Zeitpunkt des Verkaufs bestimmen. Dies sind u. a. der Ruf bei Kunden,
Auftragsund Lieferantenbeziehungen, Bekanntheitsgrad von Handelsmarken,
guter Mitarbeiterstamm, innerbetriebliche Organisation.
1.4 Liquidationswert
Bei chronisch unrentablen Unternehmen ist der Liquidationswert zu er-
mitteln. Er ist die Summe aller Einzelverkaufserlöse der Vermögens-
gegenstände, abzüglich der Liquidationskosten. Er stellt die
absolute
Wertuntergrenze eines jeden Unternehmens dar, die bei keiner Methode
der Wertermittlung unterschritten werden darf.
weiter
|